Braucht man ein Taschenmesser?

Heute muss man sagen nein. In meiner Kindheit und Jugend, war es ein muss. Es war normal, das man Taschenmesser bei sich hatte. Es diente als Schneidwerkzeug und nicht als Waffe in irgendeiner Form.

Aber warum gibt es eine Faszination zur Messerklinge. Kommt das aus der damaligen Erziehung der Eltern, liegt es den Jungs in den Genen, oder liegt es an der Zeit in der man geboren ist.

Wie war das Mitte er 60er, bis Mitte der 70er im 20sten Jahrhundert?

Man bekam im Urlaub, wenn man in Bayern oder Österreich war einen Hirschfänger aus dem Souvenirgeschäft, für die Lederhose. Heute undenkbar, zumal es sich noch um eine feststehende Klinge handelte.

Ich hatte auch so eine Art Schweizer Messer. Hauptsache viele Funktionen. Das war bestimmt kein original Wenger oder Victorinox Messer. Aber es war toll mit der Säge Äste schneiden und mit dem Messer zu schnitzen. Was man eben als Junge damals gerne machte. Ich hatte in meiner Kind und Jugendzeit so einige Messer.

Später hatte man einfache Taschenmesser oder Arbeitsmesser in der Arbeitshose und sei es nur um die Fleischwurst auf dem Bau zuschneiden. Bekam auch manches Multifunktionsmesser als Werbegeschenk überreicht. Aber alle Messer waren nie von langer Dauer. Ich hatte dann auch ein rotes Schweizer Taschenmesser mit dem Kreuz auf der Griffschale, mit Schere, Pinzette, Zahnstocher, usw. Das hatte ich auch rechtlange, aber irgendwann war es kaputt und weg.

Mit Mitte 30, habe ich mir zum ersten Mal bewusst ein kleines Taschenmesser für die Hosentasche gekauft. Heute spricht man von Herren oder Gentleman Messer. Dieses Messer nutze ich heute noch. Es ist klein und passt immer in die kleine Tasche einer Jeans. Ein fast täglicher Begleiter. Wenn ich das Messer mal suche, weil ich es in irgendeiner Jacke oder Hose vergessen habe dann wird man ganz nervös und nervt die Familie. Ich habe es schon in der Waschmaschine gefunden. Heute muss sich mein kleines Messer diese Gunst mit anderen kleinen Taschenmesser teilen.

Das zweite Messer was ich mir kaufte, war Ende der 90er, ein Buck Duke 500 Taschenmesser. Für mich ein großes, schweres stabiles Messer mit einem harten Stahl. Ein noch bis heute ein wirklich tolles Taschenmesser. Es ist eigentlich zu groß für die Hosentasche, aber es ist ein stetiger Begleiter beim Wandern im Rucksack.

Heute weiß ich auch ein Schweizer Taschenmesser zu schätzen, dass ich geschenkt bekommen habe. Es ist von Wenger vor der Übernahme von Victorinox, mit schwarzer Beplankung. Es kommt dem alten Traveler von Wenger sehr nah. Trotz Recherche konnte ich nichts, genaues herausfinden. Das Messer hat eine super Qualität, vor allem der Dosenöffner und die Schere finde ich bedeutend besser als bei vielen Victorinox Messern.

Bekam auch als Beilage beim Kauf von Jagt Begleitung ein Laguiole Messer mit Lederetui und kleinem Wetzstahl. Laguiole steht auf der Klinge, es ist scharf und schneidet, aber man erkennt, dass es kein Original ist. Ich habe es als Arbeitsmesser (mit Korkenzieher) an meinem Werkzeuggürtel.

Bei dem Thema Küchenmesser, kann man sich als Mann, so richtig austoben. Es muss groß schwer und scharf sein. Rasiermesser scharf sein. Es gab in der Küche unzählige Messer. Meist billige und stumpfe. Denn für eine Frau muss es nur irgendwie schneiden. Da treffen zwei verschiedene Welten aufeinander. Darüber könnte man bestimmt ein Buch schreiben.

Es kam aber ein japanisches Keramik Messer direkt aus Japan in die Küche. Es war eine Bestellung bei einem Nachbar der in Japan auf Geschäftsreise war. Das wurde gehütet wie der heilige Gral. Kein Vergleich zu den billig Keramik Messern aus dem Supermarkt.

Aber vom Supermarkt, mit gesammelten Treupunkten, haben wir unser Koch- und Gemüsemesser von Zwilling bekommen. Es ist die Serie Five Star. Für mich sind es sehr gute Messer, die sich nicht ganz so leicht schärfen lassen wegen der Klingenhärte. Aber mit den mittlerweile angeschafften Schleifsteinen und Abziehriemen, geht das sehr gut.

Das Schärfen macht auch Spaß, es ist dieselbe Leidenschaft des Schärfens, die man hat beim Schärfen von Hobel- und Stemmeisen. Man war schon immer stolz wenn sein Werkzeug so scharf war das man sich mit rasieren konnte. Die Unterarme haben dafür oft die Haare gelassen.

Aus 2 wurden es 5 Küchenmesser puls ein Sushimesser. Diese hängen an einer Magnetleiste und kommen auch nicht in die Spülmaschine. Auch Victorinox hat seinen Platz in der Küche, mit den super scharfen Brötchen- Tomatenmesser. Die ersetzen jedes Steakmesser zum günstigen Preis.

Als Schreiner/Tischler hat man mit scharfen Werkzeug und Holz zu tun. Es werden alle Sinne von einem angesprochen, wenn man damit arbeitet. Jedes Material lebt, wenn man es fühlt, bearbeitet und benutzt. Vielleicht kommt auch davon die Faszination am Taschenmesser, was all das, in Kleinformat vereint.

Der Beruf ist schon nicht ohne.

Beim Thema Single Malt Whisky und Holz ist das nicht anders. Nur frage ich mich gerade, wo kommt die Leidenschaft an Uhren und Fotoapparate her? Denke es ist der Kontrast zum eigenen Beruf. Das Interesse der Technik im Kleinen, vor allem die analoge Technik und um das Wissen wollen, wie alles funktioniert.

Bei aller Moderne und Elektronik, die man täglich nutzt und auch nicht missen möchte, sind die alten Dinge lebendiger als je zuvor.

Gerade bei Taschenmesser erkennt man auch den heutigen Zeitgeist der Gesellschaft. Viele Messer, auch wenn sie von toller Qualität sind, zeigen sich oft archaisch, aggressiv, fast brutal. Wirken sehr militärisch, kalt und bedrohend. Viele dieser modernen Messer, kann man gar nichts mehr am Mann tragen, durch den Paragraph 42 a des Waffen- Gesetzes.

Was sind typisch deutsche Taschenmesser?

Es gibt formschöne, gut gearbeitete Taschenmesser aus Solingen. Dort werden viele alte Formen noch oder wieder herstellen. Bei all der großen Auswahl, habe ich kaum ein Taschenmesser gefunden, was mich so anspricht, dass ich sagen müsste, ich will, ich muss es haben. Die Messerformen sind alle reproduzierbar nach Frankreich, Spanien, Italien, England und in die USA. Auch die Namen sind gleich. Die Messer sind von einer guten bis hervorragenden Qualität, auch im Preis. Aber gibt es überhaupt ein typisches deutsches Taschenmesser? Vielleicht drei Ausnahmen im deutschem Sortiment, wie das Mercator (Kaiser Wilhelm Messer), das Böker Sportmesser, oder vielleicht noch das Hippekniep (Bauernmesser). Bei Messer mit feststehender Klinge ist das anders. Dort sind die Hirschfänger und Jagdmesser, wenn auch sehr regional etwas sehr deutsches.

In Süden von Europa ist das anders. Dort gibt es viele regionale Taschenmesser mit ihren eigenen Formen. Teilweise kunstvoll, wahre Schönheiten die der Hand schmeicheln. Eben gentlemanlike.

Was ist ein gutes Opa- Messer?

Ein Messer was alles hat, für den Opa und sein Enkelkind. Sei es zum Apfel oder Apfelsine schälen, eine Schnur zu durchscheiden, ein Stück Holz zu schnitzen und eine Flasche Limo zu öffnen. Ein „Multifunktionsmesser“. Aus Deutschland käme nur das sechsteilige Böker Sportmesser in Frage. Es wird bereits seit 1869 in der Solinger Manufaktur von Hand gefertigt. Es befindet sich länger in Produktion, als jedes andere Multifunktionsmesser. Das hat auch seinen Preis. 130 bis 200 Euro.

Da kann man doch sagen, „wer hat‘ s erfunden? Nicht die Schweizer“. Denn das Schweizer Armee Messer kam erst 1891 und wurde als Schweizer Offiziers- und Sportmesser am 12. Juni 1897 gesetzlich geschützt. Dieses Modell wurde später als Original Swiss Army Knife rund um den Erdball bekannt.

Auch aus der Schweiz die Firma Wenger, die 1901 zum erstmals ein Taschenmesser an die Schweizer Armee geliefert hat.

Ich habe ein Multifunktionsmesser von Wenger. Es ist nur von der Größe für in die Hosentasche, als stetiger Begleiter zu dick.

Nach langer Suche nach einem geeigneten Opa- Messer, was in einer kleinen Hosentasche nicht auffällt, kam für mich nur eins in Frage, das MiniChamp Alox von Victorinox aus der Schweiz, mit 15 Funktionen und Aluminium Beplankung. Das Messer gibt es auch mit Kunststoff Beplankung, dafür mit Kugelschreiber und LED Licht. Heut hat man ein Smartphone mit Kamera und Blitzlicht und macht man unbedingt einen Kugelschreiber im Messer?

Es gibt noch genug andere Multifunktionsmesser auf dem Markt, von billig bis teuer, von 2 bis 49 Funktionen. Entscheidend ist was man für sich selber braucht und welche Wertigkeit ein Messer haben sollte.

Ich denke das MiniChamp Alox von Victorinox ist ein Messer das wertig, schick, klein und dünn ist. Das kleine Opa- Messer kann man auch noch nach Jahren, an seine Enkel vererben. Nur ab 2 Enkel, muß der Opa noch eins kaufen. Wollen ja gerecht sein.

Mein erstes Enkelkind bekam erst mal ein Spielzeug Schweizer Taschenmesser zum Spielen. Man will dem Opa ja immer helfen und zeigen wie man alles repariert. Wenn die Enkelkinder alt genug ist (6/7), gibt es dann ein Kinder Taschenmesser, wie das My First von Victorinox. Damit kann man schon etwas schnitzen und sägen. Das macht doch jedem Kind (unter Aufsicht) spaß.

Jetzt im reifen Alter, sucht man nach den schönen Dingen, mit einer Seele, einer Haptik die schmeichelt, wenn man die Taschenmesser ansieht eine Freude. Leider wird der Jäger und Sammler in einem wieder erweckt.

Als Opa möchte man seine Vergangenheit, seine Leidenschaft weitergeben. Zeigen was man als Kind selber spielte, oder womit man sich die Zeit vertrieb. Wie man mit Respekt, Achtung und Umsicht mit erhaltenswerten Sachen, auch mit einem Taschenmesser umgeht, vor allen wie man mit seinen Nächsten umgeht, egal wer er ist.

Nicht immer leicht.

Vielleicht bleibt etwas von meinem Wissen, meiner Leidenschaft und meinen Interessen, in der kommenden Zeit erhalten.

Nur mittlerweile wird das Thema Taschenmesser, sehr problematisch in der Gesellschaft behandelt und reglementiert.

Es ist nur ein Taschenmesser.

März 2019